Otto Röhm

Otto Röhm (1976 - 1939)
©Evonik Industrie AG, Konzernarchiv Hanau

Forscher und Erfinder von PLEXIGLAS®

Geboren wurde Otto Karl Julius Röhm am 14. März 1876 in Öhringen/Königreich Württemberg. Nach der Schule begann er 1891 eine Lehre zum Apothekergehilfen. 1899 legte Röhm erfolgreich die Prüfung zum Apotheker ab. Die Approbation ermöglichte ihm ein Studium der Chemie an der Universität Tübingen. Das Thema seiner 1901 verfassten Promotionsarbeit – „Über Polymerisationsprodukte der Akrylsäure“ – wurde wegweisend für seine künftigen Unternehmungen.

Vom Apothekergehilfen zum Chemiker

Röhm wandte sich zunächst der Gerberei zu. Als erster Chemiker erkannte er die Wirksamkeit von Enzymen tierischer Bauchspeicheldrüsen für die Gerbung von Häuten. Mit seinem darauf basierenden neuartigen Beizverfahren für die Lederindustrie revolutionierte er die bisherigen Techniken auf diesem Gebiet. Der Erfolg veranlasste ihn 1907, gemeinsam mit dem Kaufmann Otto Haas die offene Handelsgesellschaft Röhm & Haas zu gründen.

Die Forschung zu Enzymen beflügelte auch weitere Produktentwicklungen, wie zum Beispiel Waschmittel, Kosmetika, Produkte für die Textilindustrie sowie pharmazeutische Präparate zur Wundbehandlung und zur Verdauungsförderung. Ferner fanden Enzyme bald auch Verwendung bei der Herstellung von Backwaren und Fruchtsäften.

Als die etablierten Geschäfte gut liefen, widmete sich Otto Röhm um 1912 mit viel Mut und Entschlossenheit der Kunststoffforschung. Täglich besuchte er seine Laboratorien und Betriebe und informierte sich über den Stand der Forschungen. Mit Unvoreingenommenheit und Offenheit ging er an Neues heran. „Ich glaube nichts, was ich nicht selbst probiert habe“, war eine von ihm oft getätigte Aussage.

Goldmedaille bei der Pariser Weltausstellung 1937

Erfolge in der Entwicklung von Acrylaten führten Otto Röhm Ende der 1920er Jahre zu den Methacrylaten. Bald gelang es seinem Forscherteam Methacrylat kontrolliert zwischen herkömmlichen Glasscheiben zu dem harten, transparenten Werkstoff Polymethylmethacrylat zu polymerisieren. Heraus kamen dünne Acrylglasscheiben, die Röhm 1933 unter der Marke PLEXIGLAS® registrieren ließ. Auf der Pariser Weltausstellung 1937 errang der Werkstoff den Grand Prix und eine Goldmedaille.

„Ich glaube nichts, was ich nicht selbst probiert habe.“

Otto Röhm
Forscher und Erfinder von PLEXIGLAS®

Röhms Ziel war es, das Anwendungsspektrum von PLEXIGLAS® zu erweitern, und so gesellten sich zu den Platten bald die ersten Granulate, heute bekannt als PLEXIGLAS® Formmassen. Daraus entstanden Formteile und Präparate für Zahnprothesen sowie Produkte für die Automobil-, Lack- und Textilindustrie. Seit den 1950er Jahren hat sich die kunden- und marktorientierte Produktpalette kontinuierlich erweitert.

„Traditionally innovative“

Otto Röhm wurde 1922 Ehrenbürger der Technischen Hochschule Darmstadt. In über 70 Patenten wird er als Erfinder oder Miterfinder genannt. Der Chemiker starb 1939. Sein Vermächtnis wird in der 2019 gegründeten Röhm GmbH fortgeführt – ganz im Sinne Otto Röhms: traditionally innovative.