Die Anfänge von Röhm

©Evonik Industrie AG, Konzernarchiv Hanau

Am 6. September 1907 gründete Dr. Otto Röhm gemeinsam mit dem Kaufmann Otto Haas die Firma Röhm & Haas OHG in Esslingen. Das Unternehmen entwickelte enzymatische Mittel für die Lederbeize. Als erster Chemiker erkannte Dr. Otto Röhm die Wirksamkeit von Enzymen tierischer Bauchspeicheldrüsen für die Gerbung von Häuten. Mit seinem darauf basierenden neuartigen Beizverfahren für die Lederindustrie revolutionierte er die bisherigen Techniken auf diesem Gebiet.

Die stark wachsende Nachfrage nach den Produkten von Röhm & Haas erforderte eine Ausweitung der Produktion, was am bisherigen Standort Esslingen jedoch nicht möglich war. Neuer Firmensitz und Produktionsstandort wurde deshalb ab dem 22. Juli 1909 Darmstadt. Vor allem die Nähe zur Lederindustrie im Rhein-Main-Gebiet machte den Standort für das neue Unternehmen attraktiv.

Noch im gleichen Jahr gründete Otto Haas die erste Niederlassung in den USA und betreute von dort aus Gerbereien in der ganzen Welt. Im Ersten Weltkrieg wurde der deutsche Anteil der Röhm & Haas-Filiale in Philadelphia von der US-Regierung beschlagnahmt. Otto Haas, der mittlerweile die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, durfte seine Anteile behalten. Aus der Niederlassung gründete er das selbständige Unternehmen Rohm and Haas Company, blieb aber eng mit dem deutschen Unternehmen Röhm & Haas OHG verbunden. Nach 1945 ging die Rohm and Haas Company eigene Wege und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Chemieunternehmen in den USA.

Von Enzymen zu PLEXIGLAS®

Nach seiner bahnbrechenden Entdeckung, Enzyme für die Lederindustrie zu nutzen, erschloss Dr. Otto Röhm bald weitere industrielle Anwendungsgebiete für das Verfahren – beispielsweise für die Körper- und Textilpflege. Später setzte Röhm & Haas Enzyme auch in der Lebensmittelindustrie ein, anfangs um Apfelsäfte zu klären, nach dem Zweiten Weltkrieg auch bei der Herstellung von Backwaren.

Auch im Bereich der Kunststoffe wurde Otto Röhm zu einem Pionier: Aufsetzend auf seiner Dissertation „Über Polymerisationsprodukte der Akrylsäure“ beschäftigten sich die Chemiker von Röhm & Haas ab 1911 mit der Erforschung von Acrylverbindungen.

Ein erster Erfolg gelang 1928: Die Entwicklung eines klar durchsichtigen Verbund-Sicherheitsglases mit innenliegender Polyacrylschicht, das für Schutzbrillen und splittersichere Frontscheiben in der Automobilindustrie eingesetzt wurde. Bis 1933 wurde dann das außergewöhnliche Acrylglas (chem. Polymethylmethacrylat, kurz PMMA) entwickelt, das mit seiner Transparenz, Formbarkeit und Bruchfestigkeit bis heute begeistert: PLEXIGLAS®.

Für diese herausragende Erfindung wurde Röhm & Haas bei der Weltausstellung in Paris 1937 mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Röhm wird wieder Röhm

Heute arbeiten rund 1300 Mitarbeitenden am größten Standort in Worms

Das 1907 gegründete Unternehmen Röhm & Haas wurde 1920 bis 1938 als Aktiengesellschaft und anschließend bis 1970 als GmbH geführt. Nach dem Ausscheiden der Familie Haas aus dem Gesellschafterkreis wurde die Firma 1971 zur Röhm GmbH umfirmiert.

1989 wurde die Röhm GmbH durch Anteilszukauf zu einer 100prozentigen Tochtergesellschaft der Hüls AG. Nach der Fusion von Degussa AG und Hüls AG zur Degussa-Hüls AG im Jahr 1999 wurde die Degussa-Tochtergesellschaft Agomer GmbH mit der Röhm GmbH verschmolzen. Aus dieser Verbindung stammen die heutigen Produktlinien der Reaktionsharze für Fußböden (DEGADUR®), Bindemittel (DEGALAN®) und Kaltplastiklösungen für Fahrbahnmarkierungen (DEGAROUTE®).

Als Ausgründung des ehemaligen Produktbereichs Bergbauchemikalien der Degussa AG entstand 2003 die CyPlus GmbH. Das Unternehmen beliefert Kunden in den Branchen Bergbau, chemisch-pharmazeutische Industrie und Oberflächenbehandlung. Es ist heute eine 100prozentige Tochter der Röhm GmbH.

2006 wurde die Degussa AG von der Essener RAG Beteiligungs-AG übernommen. Diese wurde ein Jahr später – inklusive des Methacrylatgeschäfts der ursprünglichen Röhm GmbH – in die Evonik Industries AG umgewandelt.

Zum 1. August 2019 verkaufte Evonik das Methacrylatgeschäft an den Finanzinvestor Advent International. Seitdem firmiert dieses Geschäft als das eigenständige Unternehmen Röhm GmbH und ist mit 3.500 Mitarbeitern weltweit aktiv.